Holz, Metall, Bast, Beamer, Spotlight, Video (HD, 8’06, Loop)
Photo: Ken Kato
Anhand einer originalen Fetischfigur des Mbete-Stamms aus Gabun, die auch als Alter Ego Naho Kawabes fungiert, formuliert die Künstlerin in ihrer Rauminstallation Why am I here? ihre Suche nach der Definition des Seins. Ursprünglich entdeckte Kawabe die Figur in dem Raritätenladen Harrys Hamburger Hafenbasar & Museum, wo sie mit anderen Fetischfiguren aus unterschiedlichen Ländern versammelt war – losgelöst von ihrer originären Funktion und Bedeutung. Vermutlich war die Figur zufällig per Schiff nach Hamburg gereist, landete als »Seemannsschatz« in dem Basar auf der Reeperbahn und stand dort, ihres kulturellen Kontextes entkleidet, als kurioses Objekt unter anderen herum. In Kawabes Installation findet sich die Figur nun in einem weiteren, ihr völlig fremden Kontext wieder. Ursprünglich Fetisch, stellt sich anhand der in permanent sich verändernden Raum-Zeit-Konstellation versetzten Figur die Frage nach dem heutzutage noch möglichen Stabilitätsfaktor unserer Selbstverortungen. Why am I here? konfrontiert Betrachter*innen mit Fragen nach kultureller Zugehörigkeit, Grenzüberschreitungen und, generell gesehen, der existenziellen Frage, wie die Koordinaten Raum und Zeit unsere Identitätsvorstellungen mitbestimmen.
Text von Magnus Pölcher in: Fuzzy Dark Spot. Videokunst aus Hamburg. Deichtorhallen Hamburg / Sammlung Falckenberg
Ausstellungen: Shiseido Gallery, Tokyo (JP) / Märkisches Museum Witten (DE) Abbildungen: Broschüre “Shiseido Art Egg 05” / Katalog “boesner art award 2012” / Katalog “Observer Effect” / Buch “Transitorisch”
“Am Ende des Videos “Perfect Pitcher #1 – Song for the forbidden zone” habe ich die Schlussszene des Stalkers von Tarkovsky als Standbild kurz auftauchen lassen. Sie zeigt den Blick über den Rücken der Familie hinweg auf eine brachliegende Landschaft und eine monströs bedrohliche industrielle Anlage am Horizont. Ein Atomkraftwerk. Die Melancholie dieses Bilds durchzieht das ganze Video, denn das brennend rote und kaltweiße Lichtgeflacker in Kombination mit dem Sprechgesang von Hazuki Ogoshi, einer Musikerin mit dem ‚absoluten Gehör”, kann auf das katastrophische Ende einer Ära verweisen. Die seltsam nervöse Aufnahmetechnik, die meinen erregten Zustand spiegelt, wurde dadurch erzielt, dass ich eine kleine Web-Kamera in den Mund genommen habe – gleichsam lagen mir Schock und Protest auf der Zunge und mein Körper wurde zum Aufzeichnungsinstrument.”
Interview zwischen Aomi Okabe und Naho Kawabe in: Katalog “Observer Effect“
Der Weg: La route Lister (Chemin Walter Benjamin). Das Gebiet: Östliche Pyrenäen am Mittelmeer Der Ort: Banyuls sur Mer, Frankreich Das Wasser: Port Bou, Spanien Die Zitate: Lisa Fittko (1), Walter Benjamin (16) Das halbstündige Video zeigt den Weg, den Walter Benjamin und viele andere deutsche Flüchtlinge in den Jahren zwischen 1940 und 1942 gehen mussten, um ihr Leben zu retten. Die Flüchtenden wurden von Hans und Lisa Fittko über die “Route Lister”, einem alten Schmuggelpfad zwischen Banyuls auf der französischen Seite und Port Bou auf der spanischen Seite der Pyrenäen an der Mittelmeerküste geschleust, um durch Spanien nach Lissabon zu gelangen. Dort bestiegen sie Schiffe und retteten sich nach Casablanca, Shanghai, Havanna oder New York. Walter Benjamin jedoch beging Suizid, als er in Port Bou ankam und erfahren musste, dass sein Transitvisum nicht anerkannt wurde. Das Video zeigt den beschwerlichen Aufstieg in die Berge zwischen Banyuls und Port Bou aus der Perspektive des Gehenden, der ständig nach unten blickt auf die steinigen Hindernisse. Zugleich sind den Bildern Texte von Lisa Fittko und Benjamin unterlegt, die sich mit der Straße und dem Flanieren auseinandersetzen.