In Other Words

Konya 2025, Fukuoka (JP)

Photo: Shintaro Yamanaka (Qsyum!)

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Text von Sachiko Shoji für Naho Kawabes Solo-Ausstellung In Other Words

An Bord der Apollo 11, die am 20. Juli 1969 erfolgreich auf dem Mond landete, befanden sich modernste Computer. Ein Problem, das es damals zu lösen galt, war die Frage, wie die enorm großen Daten und Programme auf ganz kleinem Raum gespeichert werden konnten. Was für diese Aufgabe eingesetzt wurde, war das “Core-Rope-Memory” – eine Technologie, bei der Informationen durch Drahtfäden und durch Magnetisierung winziger, donutförmiger Materialstücke, sogenannte Kerne, gespeichert werden. Dieses Kerndrahtgedächtnis wurde von weiblichen Fabrikarbeiterinnen per Hand mit Nähnadeln gewebt.

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… Sie wickelten sorgfältig Drähte um kleine elektromagnetische Ferritkerne, einen nach dem anderen, was es dem Kerndrahtspeicher auch ermöglichte, Programmdaten sicher aufzuzeichnen. Die Person, die die Computer der Apollo-Mission programmierte, war die junge Wissenschaftlerin Margret Hamilton, die auf einem von Männern dominierten Gebiet arbeitet und auch als “Rope-Mother” bekannt ist.
Seit Apollo 17, die 1972 gestartet wurde, hat der Mensch keinen Fuß mehr auf den Mond gesetzt. Objekte, die von früheren Astronauten weggeworfen wurden, liegen noch immer dort. Es gibt jedoch noch etwas auf dem Mond, das nicht von der NASA zurückgelassen wurde, etwas “Geschmuggeltes”. Dies ist das „Mondmuseum“ (1962), ein 1,3 x 1,9 cm großer Keramiksockel, auf dem die Zeichnungen von sechs Künstlern (Andy Warhol, Claes Oldenburg, David Novros, Forrest Myers, Robert Rauschenberg und John Chamberlain) eingeritzt sind. Forrest Myers, der unbedingt ein Kunstwerk auf dem Mond platzieren wollte, überredete letztlich seine Künstlerkollegen, an diesem winzigen Projekt teilzunehmen. Das Objekt wurde durch das Kontrollnetz der NASA geschmuggelt, am Bein der Mondlandefähre befestigt und auf der Oberfläche des Mondes abgesetzt. Dies ist wirklich eine erstaunliche Geschichte, ob sie allerdings wahr ist, kann bis heute nicht überprüft werden.

Wenden wir uns nun dieser großen Installationen Naho Kawabe zu, die vollständig aus neuen Werken besteht und die uns im Ausstellungsraum dieser Galerie begegnet. Ein Seil, das 1/300.000.000.000 der Länge der Entfernung zwischen Erde und Mond entspricht, hängt derart, dass es den Raum ausschneiden würde. So nimmt es die Form einer schrägen Oberfläche an. Die vielen schwarzen Objekte, die an dem Seil baumeln, basieren auf den damaligen Zeichnungen zum “Mondmuseums” und wurden von der Künstlerin per Hand gestrickt. Durch diese Art der Handarbeit wird man von dem Eindruck gefangen genommen, Teil eines mechanisierten Produktionsprozesses zu werden, und dies wiederum kann als ein Nachvollzug der Aktivitäten der Fabrikarbeiterinnen verstanden werden, die das Kernstück des Drahtspeichers von Apollo 11 webten.
Naho Kawabe lebt und arbeitet sowohl in Japan als auch in Deutschland, “Grenzen” und “Bewegung/Migration” sind zwei Dinge, die untrennbar mit ihrem Leben und ihrer Kunst verbunden sind. Tatsächlich kann die Mondlandung, die vor rund 50 Jahren stattfand und in die Annalen der Menschheitsgeschichte eingeschrieben ist, auch als die große Beziehung zwischen Erde und Mond betrachtet werden. Vergleichbare Anliegen im Zusammenhang mit der Arbeit von Frauen, wie sie in der Apollo-Mission stattfanden, durchziehen noch immer die moderne Gesellschaft. Verschiedene historische Fakten und Fiktionen sind in Kawabes Werk eingeflochten worden, die feste Formen haben, sich verwandeln, auflösen und sogar neu geschaffen werden. Der Titel dieser Ausstellung wurde von Kawabe gewählt mit Blick auf eine dahinter verborgene Geschichte. Wir können den Titel jedoch auch als Hinweis lesen, wenn man ihrem Werk von Angesicht zu Angesicht gegenübersteht: In other words …

Photo: Shintaro Yamanaka (Qsyum!)

Kuratorin: Sachiko Shoji (Fukuoka Art Museum)